Handy aufräumen, Social Media ausmisten: mehr Zeit und Fokus dank "Digital Decluttering"

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Als pubertierender Teenager hätte ich meine Mutter für vieles imaginär erwürgen können. Aber mit einem Spruch hat sie mich wirklich immer auf die Palme gebracht: „Ordnung ist das halbe Leben!“

Ausmisten, aufräumen, putzen − alles Dinge, bei denen ich schon Pickel bekam, wenn ich nur dran dachte. Unter meinem Bett tanzten die Wollmäuse Samba und um mich herum stapelte sich Krempel. Durch den ich mich wühlen musste, wenn ich etwas Bestimmtes suchte.

Heute würde ich mich als ordentlichen Menschen bezeichnen. Was meine Mutter wahrscheinlich immer noch ein wenig anders sieht.

Doch ich genieße die Klarheit, die durch Struktur entsteht.

Seit meinem letzten Umzug habe ich noch weniger Zeug in den Schubladen. Das fühlt sich so viel leichter an! Auch wenn immer noch genug Kram da ist.

Ich bin kein Minimalist. Aber ich finde trotzdem, dass wir ziemlich viel unnützes Zeug horten und wir uns generell überlegen sollten, was das eigentlich für einen Sinn hat.

Doch ich möchte Dir nicht erklären, warum und wie Du am sinnvollsten Deine Wohnung ausmistest. Das können andere besser – ich habe da mal was von einer Marie Kondo gehört …

Wofür ich Dich begeistern möchte, ist „Digital Decluttering“ − digitales Entrümpeln.

Handy und Social Media ausmisten: So geht „Digital Decluttering“

„Decluttering“1 ist ein Begriff, der zunächst in der Minimalisten-Bewegung zuhause war und jetzt auch bei „Normalos“ an Bedeutung gewinnt.

Es geht darum, die Dinge, die wir eigentlich nicht (mehr) brauchen und die nur aus Bequemlichkeit, Sentimentalität etc. noch da sind, loszulassen. Denn sie binden unsere Energie, halten uns fest und blockieren unser freies Denken und Handeln.

Das ist bei Digitalem nicht anders.

Wir verschwenden zu viel unserer wertvollen Lebenszeit − und damit auch Aufmerksamkeit und Energie − auf unnütze digitale Dinge. Auf Inhalte, die unser Leben kaum bis gar nicht bereichern. Im Gegenteil: Der ganze digitale Müll, der täglich auf unserem Lebensweg herumliegt, versperrt uns die Sicht auf das Wesentliche. Er raubt uns Zeit. Kraft. Fokus. Motivation. Glück.

Wie wäre es also, wenn Du diesen unnützen digitalen Ballast loswerden könntest?

Ich möchte Dir mit diesem Artikel helfen, Dein digitales Leben etwas auszumisten. Nicht, weil Du Selbstoptimierung betreiben sollst. Sondern damit Dir mehr Zeit für zum Leben bleibt.

Wenn Du die folgenden Tipps umsetzt, wirst Du einen Unterschied spüren. Also, schnapp Dir einen imaginären Mülleimer und los geht’s!

Befreie Dein Handy von überflüssigen Apps

Wie viele Apps hast Du auf Deinem Smartphone?

Bei mir sind es derzeit 77. 45 davon drückt mir Google ungefragt aufs Auge. Sie lassen sich nur deinstallieren, wenn Du tief in die Programmierung Deines Smartphones vordringst.

Du kannst sie aber im Menü nach hinten schieben, wenn Du sie kaum oder gar nicht benutzt. Dazu kannst Du die Apps nach Nutzungshäufigkeit sortieren lassen (bei Android geht das im App-Menü über die drei Punkte rechts oben, siehe Bild).

So rutschen die nicht oder wenig Genutzten automatisch nach hinten und Du musst nicht mehr so viel scrollen und hast mehr Übersicht.

 

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Bleiben noch 32, die ich selbst installiert habe. Und die auch wieder deinstallieren kann. Denn sie benötigen Speicherplatz, vor allem aber wollen sie meine Aufmerksamkeit und Zeit.

Darum: Deinstalliere Apps, die Du so gut wie gar nicht nutzt (auch dafür ist die oben genannte Sortierung nützlich).

Behalte pro Funktion nur eine App. Es reicht, wenn Du eine App für Notizen hast. Eine Wetter-App. Eine Foto-App. Usw. Wenn Du mit den bereits vorinstallierten Apps zufrieden bist, schmeiß die anderen runter.

Lass unnütze E-Mails und Newsletter los

Wahrscheinlich hatten sie irgendwann mal einen Nutzen für Dich. Ich rede von den vielen E-Mails und Newslettern von Unternehmen, Webseiten, Blogs etc., die Du jeden Tag genervt wegklickst bzw. löschst.

Wenn Du sie aber nur löschst, dann ist das, wie wenn Du Unkraut nur abschneidest. Entfernst Du die Wurzel nicht, wird es nachwachsen – die E-Mails also immer wieder in Deinem Postfach landen.

Überleg Dir also bei jeder abonnierten E-Mail, die Du erhältst, ob Dich der Inhalt noch interessiert.

Ist das nicht der Fall, mach Dir einmal die Mühe und öffne sie, scroll nach unten und klick auf den Link, mit dem Du die E-Mails abbestellen kannst (meist steht da „Unsubscribe“). Dein Postfach atmet so nach und nach auf.

Übrigens: Wie Du Deine E-Mails so organisierst, dass erst gar kein Chaos entsteht, hat Katharina in ihrem Gastbeitrag über die Inbox Zero beschrieben.

Entschlacke Deinen Facebook-Newsfeed

Wenn ich schon bei Abos bin: Mit jedem „Gefällt mir“ auf eine Facebook-Seite bzw. -Profil und mit jeder eingegangenen Freundschaft abonnierst Du die Inhalte des jeweiligen Accounts automatisch mit.

Die Folge: Dein Newsfeed quillt über vor Beiträgen. Du scrollst Dich jeden Tag tapfer durch und verlierst einen Haufen Zeit mit Inhalten, die Dich womöglich nicht mal interessieren.

Als ich mich 2016 bei Facebook angemeldet habe, brauchte ich täglich fast zwei Stunden, nur um meinen Newsfeed zu lesen! Es hätte ja etwas Interessantes dabei sein können − die FOMO lässt grüßen!

Aber mal ehrlich: Brauchst Du die ganzen Infos wirklich? Bereichern Sie Dein Leben? Oder sind Dir die meisten Beiträge schlichtweg egal oder nerven sie Dich sogar?

Wenn Letzteres der Fall ist, dann miste aus!

Du kannst bei jedem Beitrag das Abo der Seite bzw. des Profils  deaktivieren. Dazu klickst Du rechts oben auf das Drei-Punkte-Symbol und wählst dann „XYZ nicht mehr abonnieren“ aus. Alternativ kannst Du auf die Seite oder das Profil gehen und dort unter dem Titelbild auf den Button „Abonniert“ klicken und das Abo deaktivieren.

Wenn Du Dir noch nicht sicher bist, kannst Du die Deaktivierung auch erstmal auf 30 Tage begrenzen („XYZ 30 Tage auf Snooze schalten“, siehe Bild).

 

 

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Wenn Dir dann nach der Pause die Beiträge wieder angezeigt werden, geh kurz in Dich: Freust Du Dich? Hast Du die Beiträge vermisst oder nicht? So kannst Du eine Entscheidung fällen, ob Du sie dauerhaft deaktivieren willst.

Machst Du das Ganze konsequent über einen längeren Zeitraum hinweg, wirst Du feststellen, dass Dein Newsfeed immer kürzer wird. Er entschlackt quasi, wird zu einem Konzentrat Deiner echten Interessen und zeigt Dir fast nur noch Dinge an, die Dir wichtig sind.

Miste Deine Facebook- und WhatsApp-Gruppen aus

Gruppen können wahnsinnig praktisch sein – oder Dich in den Wahnsinn treiben. WhatsApp-Gruppen meide ich zum Beispiel wie der Teufel das Weihwasser.

Überleg Dir daher am besten schon vor Deinem Beitritt, welchen Nutzen Du Dir erhoffst und schau Dir nach einer Weile kritisch an, ob dieser Nutzen für Dich tatsächlich gegeben ist.

Manchmal melden wir uns bei Facebook-Gruppen für eine Challenge an oder wollen nur eine einzige Frage klären. Allerdings haben wir mit der Aufnahme auch gleichzeitig die Gruppe abonniert. Sprich: Die Gruppeninhalte erscheinen in unserem Newsfeed, ob sie nun für uns relevant sind oder nicht.

Darum rate ich Dir, nur die Gruppen zu abonnieren (Du kannst auf der Gruppenseite unter „Benachrichtigungen“ übrigens auch nochmal differenzieren, welche Beiträge Dir angezeigt werden sollen, siehe Bild unten), in denen Du Dich an Diskussionen beteiligen willst und echten Mehrwert erfährst.

 

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Alle Gruppen, auf die das nicht zutrifft, kannst entweder wieder verlassen oder nicht mehr abonnieren, so dass Du sie nur bei Bedarf nutzen kannst.

Ich empfehle Dir, in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel einmal im Monat, in Deine Gruppenverwaltung zu klicken und alle Gruppen, die Du nicht mehr brauchst, zu verlassen.

Und wenn beispielsweise WhatsApp-Gruppen hast, die Du nur ab und zu mal nutzt, kannst Du sie stumm stellen, damit sie auf Deinem Handy nicht dauernd Benachrichtigungen auslösen und Dich aus der Konzentration reißen.

Angenehmer Nebeneffekt: All diese Maßnahmen führen auch dazu, dass Du weniger Benachrichtigungen auf Deinem Smartphone erhältst (wenn Du sie nicht sowieso ausgeschaltet hast) und weniger Zeit damit verbringst.

Entrümpele Deine Lesezeichen und gespeicherten Inhalte

„Ach, das könnte ja nochmal nützlich sein!“ Kennst Du diesen Gedanken? Dann willkommen im Club. Er huscht mir ständig durch den Kopf, gerade wenn ich durchs Netz surfe oder durch den Newsfeed scrolle.

Das Resultat: Ich klicke ständig im Browser auf „Lesezeichen erstellen“ oder bei Facebook auf „Beitrag speichern“. Manchmal lade ich mir auch gleich was runter – Freebies wie Checklisten, Anleitungen zum Beispiel. Da kommt mit der Zeit ganz schön was zusammen.

Versteh mich nicht falsch: Ich finde die Option, etwas für später zu speichern, weil ich gerade keine Zeit dafür habe, großartig und nutze sie gern! Und mittlerweile bietet sogar Facebook eine Möglichkeit an, die gespeicherten Inhalte zu Sammlungen hinzuzufügen.

Aber: Wenn wir dann mal in diese Sammlungen, in die Lesezeichen oder den Download-Ordner schauen, weil wir was suchen, dann erwartet uns eine Lawine von Inhalten.

Darum schaue ich in regelmäßigen Abständen nach, was davon weg kann. Bei der Entscheidung hilft mir neben dem bekannten „Bereichert das mein Leben?“ (Du erinnerst Dich) auch ein simples: „Brauche ich das definitiv in den nächsten drei Monaten?“

Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann lösche ich das Ganze. Das mache ich auch dann, wenn ich den Inhalt verwendet habe – zum Beispiel für einen Post – und dann nicht mehr brauche.

Entmülle Deinen PC-Desktop

Ich kenne Menschen, deren Desktop am PC sieht aus wie ein Briefmarkenalbum. Bei so vielen Ordnern und Dateien ist ein klarer Durchblick kaum noch möglich (geschweige denn erkennt man noch das Hintergrundbild, aber das ist manchmal auch besser so).

Ich gebe zu, ich sorge nur von Zeit zu Zeit mal für Klar Schiff, wenn ich merke, dass ich mich nicht mehr gut zurecht finde. Daher will ich Dir hier nicht erzählen, wie es geht, denn da habe ich selbst noch Nachholbedarf.

Aber hier gibt es auf jeden Fall ein paar gute Tipps in Sachen ordentlicher Desktop. Einige lassen sich auch auf den Homescreen vom Smartphone anwenden.

Tipp on top: Regelmäßigkeit macht’s

Alle diese Tipps entfalten ihre Kraft erst so richtig, wenn Du sie regelmäßig umsetzt. Es klingt pedantisch, aber ich lege es Dir trotzdem ans Herz: Plan sie und trag sie in Deinem Kalender ein.

Wenn Du nicht immer alles auf einmal machst, dann benötigst Du dafür nur wenig Zeit. Aber Du sparst dadurch viel Zeit ein. Arbeits- und Lebenszeit, die Du für etwas Sinnvolleres nutzen kannst.

 

Wann hast Du das letzte Mal ausgemistet und Ordnung geschaffen? Oder hält Dich etwas davon ab? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

Fußnoten

  1. Im Englischen bedeutet „clutter“ Durcheinander und „to clutter up“ etwas vollstopfen.

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