Phantome im Netz − 15 Tipps, wie Du Dich besser vor Fakes schützen kannst

Frau mit venizianischer Maske

Schreibst Du vielleicht gerade in diesem Moment mit einem Menschen im Internet, den Du „in echt“ gar nicht kennst?

Mit dem Du bisher kein gesprochenes Wort gewechselt hast?

Ihm noch nie in die Augen gesehen hast?

Und Du fragst Du ständig, wer hinter dem Profil steckt?

Ein Raum unbegrenzter Kontaktmöglichkeiten

Viele von uns lernen heute Menschen im Netz kennen. Wir suchen nach einem Partner, einem Freund oder einfach nach Gleichgesinnten, mit denen wir uns über bestimmte Interessen austauschen können.

Das Internet bietet uns unzählige Optionen: Foren, soziale Netzwerke, Datingportale, Partnerbörsen, Communities, Onlinegames mit Chatfunktion und vieles mehr.

Es gab noch nie so viele Möglichkeiten, Kontakte zu Menschen zu knüpfen.

Früher ging das allenfalls mit den Leuten aus der näheren Umgebung, sonst mal im Urlaub oder per Brieffreundschaft.

An sich also eine großartige Sache! Wir haben die Chance, Menschen kennenzulernen, denen wir im echten Leben wohl niemals begegnen würden.

Auch ich habe schon einige tolle Freunde im Internet gefunden. Und ja: Ich habe auch schon Liebe dort gefunden.

Ein Tummelplatz für alle − auch für Fakes

Doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Und in diesem Schatten tummeln sich Leute, die die Rahmenbedingungen, die das Internet vorgibt− allen voran die vermeintliche Anonymität − ausnutzen, um Spielchen zu spielen.

Ob diese Menschen das mit Absicht tun oder eher unbewusst, ob ein ernstzunehmendes psychologisches Problem dahinter steckt oder einfach nur eine verquere Definition von Spaß, ist unterschiedlich.

Tatsache ist: Wir können nicht in den Kopf unserer Mitmenschen schauen!

Gerade bei Fremden ist nicht leicht, die Motivation ihres Handelns richtig zu deuten. Und weil im Internet Körpersprache und Ausstrahlung wegfallen, ist es noch schwieriger, hinter die Fassade eines Menschen zu blicken.

Meiner Erfahrung nach ist es am besten, Personen im Netz erstmal so neutral wie möglich zu begegnen.

Ich gehe nicht automatisch davon aus, dass sie dieselben Absichten haben wie ich. Genauso wenig unterstelle ich ihnen von Vorneherein, etwas vorzugeben, was sie nicht sind.

Erst im Laufe der Zeit zeigt sich, in welche Richtung mein inneres Pendel ausschlägt.

Warum erzähle ich Dir das?

Es ist fast vier Jahre her, dass ich auf einen Fake reingefallen bin.

So traf ich meinen persönlichen Cyber-Albtraum

Zunächst eine kurze Erklärung, wenn Du das Wort „Fake“ nicht einordnen kannst:

Fakes sind Menschen, die im Internet vorgeben, jemand zu sein, der sie in Wahrheit nicht sind. Sie tun so als ob, um etwas Bestimmtes von Dir zu bekommen. Zeit, Aufmerksamkeit, Zuneigung, emotionale Abhängigkeit, Geld, whatever.

Mein Fake tauchte an einem Nachmittag im Mai 2013 im Chatroom einer Community auf, in der ich damals aktiv war.

Wir kamen sehr rasch ins Gespräch. Bereits nach wenigen Nachrichten taten sich angebliche Gemeinsamkeiten auf. Gleicher Musikgeschmack, ähnliche Ansichten in beruflicher Hinsicht, ein Faible für Reisen in bestimmte Länder …

Ehe ich mich versah, war ich in einer sehr persönlichen Unterhaltung − mit einem komplett Fremden.

Und es machte Spaß. Vielleicht kennst es, wenn Du Dir mit Deinem Gesprächspartner munter den Ball hin- und herspielen kannst, ohne dass er auch nur einmal runterfällt? Wenn sich in der Unterhaltung ein Flow entwickelt, der Dich mitreißt und Dich für den anderen begeistert?

Genau so war es mit dieser Person. Ich schreibe bewusst geschlechtsneutral, weil ich bis heute nicht weiß, mit wem ich damals Kontakt hatte.

Mein Fake hatte mich am Haken

Nach diesem Erlebnis war ich „angefixt“ und konnte es kaum bis zum nächsten Chat erwarten. Die Person drückte genau die richtigen Knöpfe bei mir.

Es folgten weitere Chats. Sie wurden intimer und aufregender.

Ich war absolut fasziniert von diesem Menschen, obwohl ich eigentlich an harten Fakten wenig über ihn wusste. Ich hatte ein Profilfoto, eine Stadt, einen Beruf, eine Altersangabe. Und unzählige kleine persönliche Details, die das Ganze eigentlich erst spannend machten.

Mir reichte das. Vorerst.

Bis zu dem Moment, in dem ich merkte, dass ich Gefühle jemanden entwickelte, den ich gar nicht kannte.

Das war aber nicht mein einziges Problem zu dieser Zeit. Denn ich war auch noch in einer Beziehung. Da ich das Ganze nicht absichtlich herbeigeführt hatte, war ich nun an einem Punkt vollkommener Verwirrung.

Wenn komische Dinge passieren …

Dann begannen die Ungereimtheiten. Denen ich anfangs nicht so viel Gewicht gab − wir sehen ja oft nur das, was wir sehen wollen.

Es fing damit an, dass ich ein weiteres Foto zugeschickt bekam. Es aber meines Erachtens eine andere Person zeigte, als die, die ich von dem Profilbild kannte.

Ich äußerte meine Bedenken. Bekam eine wütende Reaktion, aber dann eine halbwegs glaubwürdige Erklärung.

Bereits da hätte ich stutzig werden müssen. Aber ich wollte unbedingt glauben, dass die Person es ehrlich mit mir meinte. Auch wenn ich mich immer häufiger fragte, was ein so attraktiver Mensch eigentlich von mir wollte. Das zeugt von mangelndem Selbstbewusstsein − dennoch war es eine berechtigte Frage.

Als ich den Kontakt in mein reales Leben holen wollte, um auszuloten, ob an meinen Gefühlen überhaupt etwas dran ist, wurde es immer absurder.

Nicht mal eine Handynummer bekam ich. Denn plötzlich befand sich die Person in einer zerrütteten Beziehung, aus der sie zwar ausbrechen wollte, es aber noch nicht schaffte. Und da war das Handy natürlich eine Gefahr.

Als ich nicht locker ließ, wurde mir ein Treffen in Aussicht gestellt. Ich wurde hingehalten.

Um es kurz zu machen: Es war ein ewiges Hin und Her. Mal tauchte die Person häufig im Chat auf, mal wochenlang nicht. Mal erhielt ich glühende E-Mails, mal wurde der Kontakt abgebrochen, aus Angst, sich ernsthaft zu verlieben. Nur um dann nach einer gewissen Zeit wieder aufgewärmt zu werden.

Das Resultat: Ich war irgendwann ein nervliches Wrack.

Wieso spielen wir mit?

Jetzt fragst Du Dich vielleicht: Warum hast Du das denn mitgemacht? Das stinkt doch zum Himmel!

Ja, ich gebe zu, ich kann es mir aus der heutigen Sicht nicht mehr ganz erklären. Und für Außenstehende, die noch nie selbst in der Situation waren, ist es kaum nachzuvollziehen.

Wenn ich zurückdenke, dann waren es wohl mehrere Gründe: anfangs der Wunsch nach Abenteuer und die Faszination des Unbekannten, später dann die emotionale Verstrickung mit dieser Person.

Fakes wissen genau, was ihr Opfer hören bzw. lesen will. Sie umgarnen sie, sagen ihnen die richtigen Dinge zu richtigen Zeit. Spielen Seelentröster und erschleichen sich Vertrauen. Haben sie das, spielen sie ihre Spielchen nach dem Motto „Zuckerbrot und Peitsche“. Sie machen sich rar, um Begehren zu wecken. Sie tauchen immer dann wieder auf, wenn ihr Opfer sich gerade etwas distanziert hat. Ein Teufelskreis.

Genau so war es bei mir. Irgendwas hatte sich zwischen uns entwickelt, das mich abhängig zu machen schien.

Ich wollte, aber konnte zunächst nicht loslassen. Die vielen Fragen und Ungereimtheiten machten mich wahnsinnig!

Und natürlich war da auch ein wenig Hoffnung, dass das nicht alles eine riesige Verarsche war.

Aber ich bin nicht blöd. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte.

Der Wendepunkt

Als es mir zu viel wurde, ging ich zum Angriff über.

Fortan war ich besessen davon, „die Wahrheit“ herauszufinden. Als Journalistin habe ein investigatives Gen und ich bin, was Recherchemöglichkeiten im Netz angeht, etwas bewandert.

Aber ich fand trotz eines vollständigen Namens (der vermutlich eine Erfindung war) und den besagten Fakten nichts über diese Person heraus.

Zeitweise überlegte ich sogar, einen Detektiv anzuheuern. Alles nur, damit ich Ruhe damit hatte. Gewissheit darüber, wer mich da die ganze Zeit zum Narren gehalten hat. Aber als ich einigen Detekteien den Fall schilderte, sagten mir die meisten, dass die Erfolgsaussichten sehr gering seien.

Eine Weile beschäftigte mich das noch. Irgendwann war mir aber klar, dass diese Sache so oder keine Zukunft hatte. Egal, was nun Wahrheit war und was Lüge.

Ich wollte nicht in so einer komischen Beziehung leben, wo ich nie wusste, woran ich eigentlich war.

Also zog ich schweren Herzens einen Schlussstrich. Nicht nur unter diese Begegnung, sondern später auch unter meine damalige Beziehung.

Ich beendete sie nicht wegen meinem Fake. Ich trennte mich, weil ich bereit gewesen wäre, mich mit einem fremden Menschen zu treffen. Und das nicht nur mit freundschaftlichen Absichten. Ich wäre nie fremdgegangen, aber für mich treue Seele war das ein eindeutiges Zeichen. Das letzte, das ich brauchte, um sicher zu sein, dass es vorbei war.

Es muss nichts so sein, wie es scheint

Dieses Erlebnis war − vor allem wegen den Konsequenzen, die es mit sich brachte − eine sehr schmerzhafte Lektion für mich.

Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, dass im Internet nichts so sein muss, wie es scheint. Es kann so sein, aber es muss nicht so sein.

Ich war auch damals nicht naiv. Aber diese Begegnung hat mir den letzten Rest an Gutgläubigkeit gegenüber Fremden im Netz genommen.

Weil ich weiß, dass es jedem passieren kann. Ich hätte es vorher auch nicht für möglich gehalten. Aber meine Geschichte ist kein Einzelfall. Solche Dinge passieren jeden Tag.

Besonders eindrucksvoll zeigt das der US-amerikanische Dokumentarfilm „Catfish“.1 Darin lernt der Fotograf Nev Schulman über das Internet eine Frau kennen und entwickelt Gefühle für sie. Als sich merkwürdige Dinge ereignen, macht er sich auf den Weg, seine Traumfrau zu finden und macht dabei eine verstörende Entdeckung.

Ich kann ihn nur empfehlen, weil darin deutlich wird, dass selbst ein smarter, rationaler Typ wie Nev auf einen Fake reinfallen kann. Außerdem bekommt man ein Gefühl dafür, was in einem Fake so vor sich geht.2

Shit happens! Aber Du musst nicht reintreten

Es kann immer sein, dass wir jemanden im Netz kennenlernen und ihn uns anders vorstellen, als er wirklich ist.

Das ist auch ein Stück weit normal. Es sind unsere ganz eigenen Vorstellungen und vielleicht auch überzogenen Erwartungen, die dann mit der Realität kollidieren.

Gefährlich oder problematisch ist es erst dann, wenn der andere unsere Vorstellungen bewusst in eine falsche Richtung lenkt. Wenn er unehrlich ist und mit unseren Gefühlen spielt.

Idioten gibt es überall. Denn im Netz sind dieselben Menschen unterwegs wie draußen auf der Straße.

Wenn Du im Internet auf der Suche nach Kontakten bist, ist das überhaupt nichts Verwerfliches. Viele Paare finden sich heute online. Das hat genauso viele Vor- und Nachteile als sich im echten Leben über den Weg zu laufen.

Weil ich Dir aber eine solche Erfahrung, wie ich sie gemacht habe, gern ersparen möchte (eine Garantie gibt es dennoch nicht), möchte ich Dir einige Tipps an die Hand geben, die Dir helfen sollen, nicht auf einen Fake reinzufallen.

Wenn Du also jemanden kennenlernst, behalte sie im Hinterkopf bzw. nutze sie, um Dir Klarheit zu verschaffen, wenn Dir etwas komisch vorkommt.

Vergiss aber nicht: Diese Maßnahmen sollen Dich für das Thema Fakes sensibilisieren. Sie liefern nur Anhaltspunkte. Manchmal gibt es für Ungereimtheiten auch logische Erklärungen. Nicht immer muss sich um einen Fake handeln.

15 ANTI-FAKE-TIPPS

#1 Begegne jedem Menschen im Netz erstmal neutral

Du solltest niemandem von Vornherein böse Absichten unterstellen. Genauso wenig aber jedem gleich vertrauen und glauben, dass er dieselben Motive hat wie Du.

#2 Gib anfangs nicht zu viele persönliche Infos über Dich preis

Oftmals reichen schon ein Vorname, eine Berufsbezeichnung und eine Stadt aus, um jemanden zu googlen. Deswegen überlege Dir vorher, wie viel ein Fremder zu Beginn Eures Kontakts über Dich wissen soll. Nutze zum Beispiel eine private E-Mail-Adresse, die nicht Deinen kompletten Namen verrät. Chatte über Messenger, die Du ohne die Angabe eines Namens oder einer Telefonnummer nutzen kannst (zum Beispiel Threema). Lass Dir nicht einreden, dass Du übertrieben misstrauisch bist. Jeder darf seine Privatsphäre schützen, wenn er jemanden noch nicht gut kennt. Du verrätst ja auch nicht jedem Dahergelaufenen auf der Straße Deine Adresse oder Deine Telefonnummer, oder?

#3 Google die Person

Zwar ist es irgendwie sympathisch, wenn jemand im Netz so gar nicht auftaucht. Doch gerade bei Leuten, die beruflich eine gewisse Position inne haben, wäre es schon merkwürdig, wenn Du sie überhaupt nicht finden könntest. Du kannst nicht nur Suchmaschinen nutzen, sondern auch soziale bzw. berufliche Netzwerke wie zum Beispiel Xing. Aber Vorsicht: Bei Xing kann der andere sehen, wenn Du sein Profil anklickst.

#4 Frag‘ nach anderen Profilen

Oft lernen wir Menschen auf einer bestimmten Website kennen. Es macht Sinn, die nach einer Weile zu verlassen. Über den Facebook-Messenger zu schreiben, ist oft auch viel bequemer. Frag also nach alternativen Kontaktmöglichkeiten und Profilen im Netz. Bei Facebook kannst Du zum Beispiel (ggf. nach Freischaltung) nachschauen, welche Freunde die Person hat. Sind es auffällig wenige Kontakte oder scheinen die meisten Freunde auf der ganzen Welt verteilt zu sein, kann das ein Anlass zur Skepsis sein. Verlass‘ Dich auch auf Dein Bauchgefühl beim Betrachten eines Profils.

#5 Schau genau hin

Wenn Dir jemand mehrere Fotos von sich schickt, checke, ob überall die gleiche Person zu erkennen ist. Kommt Dir die Person „zu gutaussehend“ vor oder haben die Fotos eher einen professionellen Charakter, dann nutze die Google-Bildersuche. Dort kannst Du nicht nur Bilder finden, sondern auch bereits vorhandene Bilder hochladen und schauen, ob sie irgendwo im Netz verwendet werden. Schau Dir auch die Dateieigenschaften des Bildes an. Manchmal lassen sich dort Anzeichen finden, dass mit dem Bild etwas nicht stimmt (zum Beispiel am Aufnahmedatum oder ähnliches). Wenn Du nur ein einziges Bild von jemanden hast, dann lass Dir nach einer Weile möglichst spontan ein zweites schicken. Manchmal kommen Fakes dann schon in Erklärungsnot.

#6 Mach‘ den Realitätscheck

Überlege Dir, wie Du auf merkwürdige Situationen reagieren würdest, wenn sie Dir im echten Leben passieren würden. Oft ist es nämlich so, dass wir unangebrachtes Verhalten im Internet eher tolerieren oder verzeihen als in der Realität. Deine echte Reaktion ist Dein Gradmesser.

#7 Prüfe die Aussagen auf Konsistenz

Das bedeutet, schau Dir die Aussagen des anderen an und überlege, ob sie logisch zusammenpassen. Frage hier und da noch einmal unauffällig nach, am besten in abgewandelter Form. Vergleiche die Antworten. Zwar muss nicht jede „falsche“ Antwort bedeuten, dass Dich jemand absichtlich hinters Licht führen will. Aber es kann trotzdem eine Menge über einen Menschen aussagen, wenn er die gleiche Frage an anderen Tagen unterschiedlich beantwortet.

#8 Checke die IP-Adresse

Zugegeben, das klingt etwas spooky, kann aber hilfreich sein, wenn Du glaubst, dass Du angelogen wirst. Solltet Ihr per E-Mail kommunizieren, gibt es in jedem besseren Mailprogramm die Möglichkeit, sich den „Quelltext“ der E-Mail anzeigen zu lassen. I.d.R. kannst Du dort die IP-Adresse des Absenders herauslesen.3 Diese kannst Du dann auf einer Seite wie Utrace.de einfügen und kriegst dann heraus, von wo die E-Mail ungefähr verschickt worden ist. Das kannst Du dann mit den Infos, die Dir der andere gegeben hat, abgleichen.

#9 Sei sensibel für Extreme

Wenn der andere überhaupt nichts von sich preisgibt, im Gegenzug aber alles von Dir wissen will, ist Vorsicht angesagt. Ebenso dann, wenn der andere übertrieben positiv auf Dich reagiert, Dir zum Beispiel nach einer Woche schon seine Liebe gesteht oder ähnliches.

#10 Rede mit Freunden

Die meisten Menschen, die von einem Fake hinters Licht geführt und ausgenutzt wurden, vertrauen sich aus Scham niemandem an. Fakes tun oft auch einiges dafür, ihre Opfer sozial zu isolieren, damit ihnen keiner von außen reinreden kann. Tu‘ Du das Gegenteil: Wenn Dir etwas spanisch vorkommt, frag‘ Freunde, wie sie die Sache sehen. Außenstehende haben einen sachlicheren Blick, weil sie nicht emotional involviert sind. Du musst ihrer Meinung nicht folgen, aber sie kann ein guter Richtungsweiser sein.

#11 Sprich Ungereimtheiten offen an und beobachte die Reaktion

Du musst nicht bei der kleinsten Kleinigkeit dem anderen eine Szene machen. Aber wenn Dir wichtige Dinge auffallen, die Dich stutzig machen, hake nach. Nicht mit dem Holzhammer, sondern eher mit Einwürfen wie „Achso? Ich dachte, … Oder hab‘ ich das falsch verstanden?“ Erklärt sich Dein Kontakt glaubwürdig und unaufgeregt, ist es wohl okay. Wird er aber wütend, macht Dir Vorwürfe usw., dann sind Deine Zweifel wahrscheinlich berechtigt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen in Konflikten meist ihr wahres Gesicht zeigen.

#12 Bitte um einen Videochat

Programme wie Skype kompensieren zumindest ein wenig das Fehlen der Körpersprache. Das ist vor allem dann praktisch, wenn jemand nicht um die Ecke wohnt. Viele Fakes entziehen sich einem Videotelefonat, weil sie glauben, da schneller aufzufliegen. Wenn sich jemand also rigoros weigert oder behauptet, er habe keine Kamera, ist das ein ziemlich eindeutiges Zeichen. Denn inzwischen ist fast jedes Smartphone in der Lage, einen Videochat zu übertragen.

#13 Trefft Euch

Sollte sich Dein Kontakt auf ein Treffen einlassen, ist das prinzipiell ein gutes Zeichen. Fakes tendieren dazu, Treffen immer wieder kurzfristig abzusagen. So dass es nie zu einer echten Begegnung kommt. Ganz allgemein empfehle ich Dir: Bevor Du Dich mit jemanden aus dem Internet zum ersten Mal triffst, telefoniere mindestens einmal mit ihm und lass das Gespräch auf Dich wirken. Ist Dein Gefühl positiv, wähle für Eure Begegnung einen öffentlichen, neutralen und belebten Ort. Sage zumindest einer Freundin Bescheid, wo Du Dich wann mit wem triffst und vereinbare mit ihr einen Zeitpunkt, bis wann Du Dich bei ihr melden wirst, wenn alles okay ist. Sollte Dir etwas zustoßen, kann die Freundin zumindest Hinweise an die Polizei geben.

#14 Leihe NIE jemandem Geld, den Du nicht persönlich kennst

Einige Fakes sind nicht nur moralische Betrüger, sondern auch kriminell. Sie machen sich an Dich heran, erschleichen sich Dein Vertrauen und brauchen dann ganz plötzlich dringend Geld. Diese Masche nennt sich Love oder Romance Scamming.4 Fall‘ bitte nicht darauf rein!

#15 Wenn Du nicht mehr weiter weißt, hol‘ Dir Hilfe

Eine gute Anlaufstelle ist beispielsweise die Website Realfakes.net. Die Betreiberin war selbst Opfer eines Fakes und berät Betroffene.

Und bei allem gilt: Verlasse Dich auf Deinen gesunden Menschenverstand und Dein Bauchgefühl. Ich weiß, die beiden liegen oft miteinander im Clinch. Wenn aber eines dieser Systeme Alarm schlägt, ignorier es nicht, sondern geh‘ dem Gefühl nach.

Es geht um Dich und Dein analoges Herz. Verschenk‘ es nicht an einen Fake!

Hast Du schon mal Erfahrungen mit einem Fake gemacht? Berichte mir gern davon in den Kommentaren!

Fußnoten

  1. Den Film gibt meines Wissens nicht in Deutsch, aber man kann eine englische DVD kaufen. Mit Glück findest Du ihn vielleicht auch im Netz.
  2. Dem Film folgte übrigens eine MTV-Serie, der ich aber nicht so ganz über den Weg traue, weil sie auf mich teilweise gestellt wirkt. Also lieber den Film schauen!
  3. Es funktioniert leider nicht mit allen Mailanbietern. Bei Hotmail zum Beispiel kann man die IP nicht mehr auslesen.
  4. Hier kannst Du mehr über Romance Scamming nachlesen.

Schreibe einen Kommentar